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Stadt-Anzeiger-Artikel vom 27.12.2001

Die Meister der leisen Töne

Wenn weltbekannte Hits plötzlich vertraut, aber doch irgendwie anders klingen, dann könnte dies das Werk von „Amber“ sein. Mit Gitarre, Klarinette und Akkordeon verleihen sie den Liedern ihren ureigenen Charme.
von Thorsten Moeck

Je später der Abend, desto kleiner die Kerzen. Mit jedem Lied wird der Wachskranz am Fuß der dunkelroten Kerzen größer, die auf einem alten Klavier in einem dreiarmigen Leuchter still vor sich hin brennen und das gerahmte Bild eines schwarzen Raben in flackerndes Licht tauchen. Die Musiker von „Amber“ machen es sich bei ihren Auftritten gerne gemütlich, sie lieben es stilvoll und lassen ihre Fans spüren, dass sie jeden Takt, ja jeden Ton genießen, den sie ihren Instrumenten entlocken.
Bild: Grönert

Stilvoll ist nicht nur das Ambiente, stilvoll und warm ist in erster Linie die Musik von Gaby Borgardts, Volker Hauswald, Andreas Lasonczyk, Volker Müller, Stefan Schwinden und Christian Saettele, die sich als „Acoustic cover band“ bezeichnen. „Wir spielen ausschließlich fremde Stücke und setzen sie mit unseren akustischen Instrumenten in einen neuen Kontext“, erklärt Sängerin Gaby Borgardts. So verwundert es nicht, dass „Amber“ - das englische Wort für Bernstein - nach einjährigem Bestehen bereits rund 50 Lieder im Repertoire haben. Doch die sechs Musiker sind keine Band, die einfach fremde Hits nachspielt und auf der Bühne fremde Lorbeeren einheimst. Statt einer akustischen Vergewaltigung der Originale verpassen sie den Liedern mit Gitarre, Klarinette, Akkordeon, Percussions und Kontrabass eine völlig neue Klangfarbe und swingen sich auf diese Weise mit ihren durchaus eigenwilligen Interpretationen durch diverse Pop-, Latin-, und Jazznummern. Zu ihrem Repertoire gehören Sting (It's probably me), Stevie Wonder (I wish), Mister Mister (Broken wings), die Beatles, Eric Clapton und viele mehr. „Wir arbeiten völlig ohne Noten. Wenn wir ein Lied hören, das uns gefällt, schreiben wir die Akkorde auf, und dann bringt jeder seine eigenen Ideen ein“, sagt Volker Müller, der wechselweise Akkordeon und Posaune spielt und als Hintergrundsänger für einen runden Klang sorgt.
Ohne das es störend wirkt, wird jedes ihrer Lieder von einem klaren Rhythmus der Percussions bestimmt. Volker Hauswald, Volker Müller und Christian Saettele sorgen dazu wechselweise mit Gitarre, Akkordeon und Klarinette für immer neue musikalische Akzente, hinzu kommt die klare und kräftige Altstimme von Gaby Borgardts, so dass sich ein harmonisches Ganzes mit vielen rhythmischen Überraschungseffekten ergibt.

Und das funktioniert auch bei Stromausfall, denn „Amber“ bevorzugt die leisen Töne und spielt stets „unplugged“. Vor gut einem Jahr haben sich die Jung-Musiker durch eine Zeitungsannonce von Sängerin Gaby Borgardts gefunden. Die Mehrzahl der Bandmitglieder wohnt in Sülz oder Klettenberg, sie alle haben zuvor bereits in anderen Gruppen gespielt, Stefan Schwinden musiziert mit seinem Kontrabass nebenbei noch im Orchester der Kölner Universität. Obwohl die Gruppe erst seit kurzer Zeit besteht, haben die Musiker bereits einen „Award“ gewonnen - diesen erhielten sie jedoch nicht für ihre Musik, sondern für ihre gelungene Internetseite. Musikalisch wird zurzeit aber mit Hochdruck gearbeitet, denn in Kürze wird die erste CD von „Amber“ erscheinen. Vor allem live ist die Band jedoch ein Erlebnis: Die talentierten Musiker wechseln ihre Instrumente noch schneller als Liz Taylor ihre Ehemänner, und als Rhythmushalter kann auch schon mal ein Feuerzeug mit Klappdeckel dienen.
Die Vorliebe für handgemachte Musik und etwas Improvisationstalent haben der Band auch ihren ersten Kneipenauftritt beschert. Vor einem Wirt packten sie ihre Instrumente aus, gaben ihm kurzerhand eine Kostprobe ihres Könnens und waren prompt engagiert. Inzwischen haben sie neben den üblichen Auftritten bei Hochzeiten, Geburtstagen und Straßenfesten bereits zweimal im „Engelbät“ gespielt - ihr musikalischer Traum liegt jedoch auf hoher See. „Wir würden gerne mal auf einer Kreuzfahrt spielen“, verrät Gaby Borgardts. Auf einem Luxusschiff, das sanft vom Wellengang geschaukelt wird, dazu leichtes Meeresrauschen, die Klänge von Klarinette, Gitarre und Bass, und im Hintergrund brennen drei rote Kerzen. Irgendwie stilvoll.