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Konzert in der Besenkammer am 3. Nov. 2001

Kritik: Gerd Schinkel, Journalist
Fotos: Alfons P. Schwickert

" Daumenkritik: beide Daumen hoch, dazu beide dicken Zehen nach oben"

" Es müssen nicht immer die großen, bekannten Namen, nicht immer große Konzerthallen oder eingefahrenen Spielstätten sein, die musikalische Erlebnisse bieten, die sich ins Gedächtnis einprägen. Manchmal genügen Wohnzimmer, die vergleichsweise namenlosen Künstlern ein Forum bieten, auf dem sie glänzen können.

Die Kölner Coverband "Amber" ist noch ganz am Anfang ihrer "Karriere" - dafür aber schon verdammt weit. Was anderen, grenzüberschreitend auftretenden Künstlern nicht mal nach Jahrzehnten kommerziell relativ erfolgreichen Marktbeackerns gelingt, schaffen die sechs Musiker schon in diesem frühen Stadium, in dem sie die regionalen, ja lokalen Schranken ihres Viertels kaum überwinden konnten: Sie lassen eine Aneinanderreihung von Songs durch ihre eigene Interpretation zu einem Gänsehautereignis werden.

Dabei sind die meisten Lieder bekannt. Man kennt sie, aber eben doch anders - und (ver)mag sich an die Originalversion kaum noch erinnern, wenn sich die eigene Interpretation von Amber daneben ins Ohr geschmeichelt hat. Aha, so kann das also auch klingen - und man fragt sich, warum es nicht gleich so geklungen hat. Was Amber von den meisten anderen Musikgruppen - ganz gleich, ob mit eigenem Repertoire versehen oder als Coverband - unterscheidet, ist Charme. Damit ist nicht ausschließlich Sympathie gewinnendes Auftreten gemeint (auch das ist vorhanden), sondern musikalischer Charme, der den Zuhörer quasi einer "Ganzkörperbehandlung" unterzieht:
Die Interpretation im Gesang, die Arrangements mit überzeugenden, aber eben auch sparsam dosierten Solis für Saxophon, Klarinette, Posaune, Gitarre lösen Glücksgefühle aus, die nur grenzenloser Genuss mit sich bringt. Daneben bietet der rutschfeste Klangteppich aus Bass und Percussion mehr als Groove-Standard-Auslegeware. Die Akzente, die hier gesetzt werden - dies lässt sich gar nicht hoch genug einschätzen - belegen die Fähigkeit der Musiker, sich diesen musikalischen Charme zu bewahren. Gut so, denn er ist kostbar und er funktioniert sicher auch nur, weil der Versuchung widerstanden wird, Lautstärke als Qualitätsmerkmal misszuverstehen.
Dies hat Amber auch gar nicht nötig. Der Gesang von Gaby Borgardts fesselt mit Stimme und Interpretation. Swing, Jazz, Soul, Pop und Latin - sie verleiht den Songperlen, die treffsicher aus den unterschiedlichen Genres herausgepickt wurden, ein eigenes Markenzeichen. Nichts anderes gelingt mit den Bläser-Solis von Christian Saettele, die belegen, dass sogar eine Synthese aus Latin und Klezmer möglich ist, die sprachlos macht. Daneben sind die Anteile von Volker Müller (Akkordeon, Posaune und zweite Gesangsstimme), Volker Hauswald (Gitarre), Stefan Schwinden (Kontrabass) nicht zu vergessen. Alles ist stimmig - sogar die Unterstützung durch den "Ersatz-Percussionisten" Holger Mertin, der sich harmonisch ins musikalische Gesamtkonzept einpasst.
Zusammengefasst: Amber zaubert - und bezaubert.
Hier vermitteln junge Musiker Konzertgenuss allererster Güte"